Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen

Die Schule der Zukunft

Ministerin Löhrmann und Präses Kurschus in Haus Villigst

Schulleitertagung 2014 in Haus Villigst

Unter diesem anspruchsvollen Thema trafen sich Schulleitungen aus ganz NRW in Haus Villigst. Bildung ist eines der Kernelemente im Protestantismus. Seit Pisa haben evidenzbasierende Schulentwicklung und Evaluation Hochkonjunktur. In ihren Vorworten zeigten Frau Dr. Sabine Federmann vom Institut für Kirche und Gesellschaft und Frau Dr. Elke Jüngling vom Pädagogischen Institut der EkvW den Spannungsbogen der Tagung auf. Diesen nahm die Schulministerin Sylvia Löhrmann mit ihrem Vortrag, „Schule der Zukunft zwischen Vision und Sachzwang“ auf. Den geistlich theologischen Entwurf eines zeitgemäßen Bildungsbegriffes zeichnete die Präses der EkvW Annette Kurschus mit ihrem Beitrag „Schule der Zukunft aus evangelischer Sicht“.

Die Schulministerin stellte unmittelbar fest, dass Schulentwicklung im Fluss befindlich sei. Visionen sind notwendig, wenn man sich mit Dingen nicht abfinden oder zufrieden geben will. Bildung hat an sich einen Wert für den Menschen und ermöglicht den Weg des Menschen in die Gesellschaft. Inhaltliche Unterstützung, Strukturen und sächliche Mittel sind für eine konstruktive Schulentwicklung nötig.

Über die strukturellen Fragen hinaus gilt es Haltungen zu identifizieren, die ein leistungsstarkes Schulsystem benötigt. Langsam nimmt die negative Auswirkung von sozialer Herkunft auf die Bildungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern ab. Das Bildungsprogramm muss entkoppelt sein, von sozialer Herkunft und Handicaps.
Was brauchen wir, um ein Haus zu bauen, in dem Vielfalt gelebt wird? Skepsis und der Blick auf Defizite dürfen nicht der Ausgangspunkt sein. Wir müssen ein Vertrauen in die Potentiale und Entwicklungsfähigkeiten entfalten.
Eine Kultur der Anerkennung, des Respekts und der Wertschätzung ist unverzichtbar. Gleichwertig ohne gleichartig zu sein ist das Ziel. Einzigartigkeit steht im Vordergrund. Das ist der Schlüsselbegriff der Bildung.
Zum Thema Inklusion stellte Löhrmann fest: Wer sie will sucht Wege, wer sie nicht will sucht Gründe! Um individuelles Lernen in heterogenen Gruppen gewährleisten zu können, braucht es die Weiterqualifizierung des Lehrpersonals. Ebenso unverzichtbar ist eine weiterentwickelte Lehrerausbildung.
Alle Schulformen sind aufgerufen, inklusive Schulen zu werden. Inklusion ist eine bundesweite und gesamtschulische Aufgabe. Sie darf sich nicht auf einige Schulformen beschränken.
Die Aufgabe der Schulleitungen sieht die Ministerin darin, Wege an den Schulen zu eröffnen. Schulleiterinnen müssen Initiatorinnen sein. Schulleitung muss delegieren und andere beteiligen. Schulleitungshandeln muss potentialorientiert sein.
Ausdrücklich stellt Frau Löhrmann fest, dass zurzeit Schulleitungen auf das Äußerste belastet und gefordert sind.

Politik füllt die Schule nicht mit Leben, so Sylvia Löhrmann. "Schule geschieht" vor Ort. Politik gestaltet die Schullandschaft. Schulen brauchen Netzwerke mit anderen Schulen. Netzwerke ermöglichen eine Entlastung, weil nicht alle Alles machen müssen, sondern man voneinander partizipieren kann. Darüber hinaus brauchen Schulen außerschulische Partner. Ziel muss es sein, dass es keinen (Schul-) Abschluss ohne Anschluss gibt.
Bildungsgerechtigkeit ist keine Utopie, aber ein langer Weg, auf dem man nicht  entmutigt werden darf. Politische Programme müssen optimiert, aber nicht ständig verändert oder gar umgeworfen werden.
Bildung ist die Voraussetzung, um die Gesellschaft in allen Facetten gestalten zu können. Individualisierte Prozesse braucht es nicht nur für jedes Kind, sondern auch für jede Schule, denn gelingende Schule kann sich nur vor Ort unter den jeweiligen lokalen Bedingungen entwickeln.

Diesen Impuls nahm Annette Kurschus, die Präses der EkvW auf.
Schule der Zukunft aus evangelischer Sicht, das verlangt nach einer Abklärung des Zukunftsbegriffes. Das Verlangen, die Zukunft zu kennen, ist so alt, wie die Menschheit. Zukunft soll möglichst handhabbar, beherrschbar werden. Zukunft soll zur Folge unseres geplanten Handelns werden. Sie wird zur eigenen Leistung.
Biblisch betrachtet spielt der Begriff „Zukunft“ in der Bibel keine prominente Rolle. Die Bibel spricht von dem kommenden Gott. Zukunft heißt in der Bibel "zukommen". Gott hält die Zukunft für den Menschen bereit und wir Menschen machen die Zukunft.
Bildung leitet sich sprachlich von "Bild" ab, also von der Ebenbildlichkeit des Menschen von Gott. Bildung ist also etwas, was zur geschaffenen Würde des Menschen gehört. Ziel von Bildung kann dementsprechend nur sein, dass Menschen von dem Ursprung ihres Lebens erfahren. Was ich Menschen beibringen möchte, dass muss ich zugleich bei ihnen voraussetzen. Denn der Mensch ist schon ein Ebenbild Gottes.
Nicht die soziale, religiöse oder ethnische Situation des Menschen ist entscheidend, sondern die prinzipielle Gleichheit aller Menschen ist eine direkte Folge der Gottesebenbildlichkeit. Hieraus lässt sich ein Bildungsverständnis ableiten, das weiter reicht, als Differenzierung und Leistung.

Für die berufliche Praxis der Lehrer heißt das, Zukunft muss nicht gestaltet, sondern ermöglicht werden. Aus der Persönlichkeit der Lehrenden heraus kann spürbar werden, welches Menschenbild, welche Haltung den Umgang mit den Schülerinnen prägt.

Die Schulleitungen waren dankbar, weil ihnen der Vortrag der Präses ein ganz anderes Bild des schulleitenden Handelns vermittelte. Über Kennzahlen, Evaluationen und Management hinaus gibt es den Wert der Haltung zum Menschen. Eine Empfehlung gab die Präses ab. Aus ihrer Sicht darf man auch mal sagen, dass man gerade auch mal nicht weiter weiß. Ein ehrlicher, echter Umgang miteinander ermöglicht Achtung füreinander. Sie ist tief und fest davon überzeugt, dass Haltungen sich ändern, wenn man konstant anderen wertschätzend begegnet.


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