Pädagogisches Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen

Jeder nach seiner Facon?

Religionsunterricht heute - christlich, jüdisch, islamisch. Herbsttagung des Bundes evangelischer Religionslehrender in der Katholischen Akademie in Schwerte

Annähernd 100 Lehrerinnen und Lehrer aller Altersklassen und Schulformen haben sich in der Katholischen Akademie in Schwerte eingefunden, um sich mit der Frage der verschiedenen Religionen im Religionsunterricht auseinanderzusetzen. Mit Prof. Mouhanad Khorchide aus Münster als Vertreter des islamischen Religionsunterrichts, Professor Bernd Schröder aus Göttingen und Frau Susanne Benizri als jüdische Religionslehrerin aus Karlsruhe wurden hochkarätige Referierende gefunden, die mit profunden Kenntnissen der Schullandschaft Auskunft gaben über die Fragen, Probleme, Anliegen und Sorgen ihres jeweiligen Religionsunterrichts.

Christian Fabritz aus dem Vorstand des Bundes evangelischer Religionslehrender betont die Relevanz dieser Tagung auf Grund der starken Veränderung in der Schullandschaft. Mittlerweile sind die drei Weltreligionen, die auf dieser Tagung vertreten sind, in der Schule mit einem eigenen Religionsunterricht präsent.
Frau Susanne Benizri aus Baden-Würtenberg gehört zu denjenigen, die von Grund auf den jüdischen Religionsunterricht in ihrem Bundesland etabliert hat. Sie betont, dass in der deutschen Gesellschaft kaum Kenntnisse über die jüdische Religion vorhanden sind. Nur wenige kennen die jüdischen Feste. Das gilt aber ebenso für die Schülerinnen und Schüler. Auch sie bringen nur eine bedingt religiöse Sozialisation mit. Ihr Bedürfnis ist es eine Auskunftsfähigkeit über ihre eigene Religion zu erlangen. Das geht einher mit einer Sprachfähigkeit über ihre eigene Identität.

In seinem Beitrag berichtet Prof. Bernd Schröder von seiner Lehrsituation an der Universität Göttingen. 90 Prozent der Lehramtsstudierenden sind Frauen. Hauptsächlich motiviert wurden sie durch "vorbildliche" Religionslehrer. Ebenso wichtig ist für sie die eigenen religiösen Fragen zu beantworten. Als Studienhindernisse werden eigene religiöse Defizite an Wissen und Glauben empfunden. In Niedersachsen ist der kooperative Religionsunterricht gesetzlich geregelt. Das ist in NRW nicht der Fall. Als Professor möchte Bernd Schröder, dass Schüler im Religionsunterricht religiöse Fragen als solche erkennen und sich ihrer Relevanz bewusst werden.

In NRW gibt es ca. 300.000 muslimische Schülerinnen und Schüler. Prof. Mouhanad Khorchide von der Universität aus Münster stellt heraus, dass die heutigen Jugendlichen ein stetig anwachsendes religiöses Interesse haben. Der Islam macht ihre persönliche und ethnische Identität aus. Jedoch ist feststellbar, dass ihnen ihre eigene Religion fremd und quasi unbekannt ist. Die Religionsidentifikation ist hingegen ungemein hoch. Man kann von einer religiös ausgehöhlten Identität sprechen.

Als ein erstes Fazit kann festgehalten werden, dass jede der vorgestellten Religionen im Schulunterricht das Interesse an der Religion befriedigen soll, der die Schülerinnen und Schüler angehören. Es wird erwartet, dass im Religionsunterricht identitätsbildend gearbeitet wird. Es geht darum, den Lebensbezug der Religion herzustellen.

Das ruft die Frage nach der Verbindung von Schule und Gemeinde hervor.  Sicherlich ist der Schulunterricht nicht identisch mit dem Wirken der Gemeinden und Kirchen, jedoch ergeben sich im Unterricht legitime Möglichkeiten auf die jeweilige Kirche Bezug zu nehmen und sich ihr anzunähern. Schulen und Kirchen dürfen und sollten voneinander etwas gegenseitig erwarten. Den Lebensbezug zu den Kirchen herauszustellen, das ist die Herausforderung des RU in der nahen Zukunft, so Prof. Schröder.

Als einen Kunstfehler bezeichnet Prof. Khorchide, dass der islamische Religionsunterricht u. a. eingeführt worden ist, um die Kinder aus den Moscheen heraus zu holen. Das kann nicht die Aufgabe sein.
Gemeinde und Schule sollten einen gemeinsamen Weg finden und sich in gegenseitiger Achtung um die religiöse Bildung bemühen. Schule und Kirche können "Einsichten" in die jeweilige Religion ermöglichen. Die Schule soll das Angebot des Glaubens plausibel machen, betont Prof. Khorchide.
Prof. Schröder hingegen verweist auf den Boom, den die Schulseelsorge mittlerweile erlebet. Dieses Bedürfnis drückt aus, dass Schülerinnen und Schüler einen religiösen Beratungsbedarf haben, dem die Kirche in der Schule entsprechen kann.

Die jeweilige religiöse Herkunft der Schülerinnen und Schüler muss im Unterricht ernst genommen werden. Die jeweils anderen Religionen gehören mit zur eigenen religiösen Umwelt und Beheimatung. Begegnungen mit ihnen sind möglich, wenn eine gegenseitige Akzeptanz solche ermöglicht. In gleicher Weise betont Bernd Schröder, dass Theologie, mit Luther gesprochen, immer auch Unterscheidungslehre ist. Das Eigene erkennen, das Andere davon unterscheiden, das ist aufgeklärte Theologie.


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